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Gesundheit beginnt im Alltag

Ratgeber für das tägliche Wohlbefinden Ihres Hundes

Was wir jeden Tag tun, ist entscheidender als das, was wir nur einmal im Monat unternehmen – denn wir wiederholen es 365 Mal im Jahr.

Vorbeugen ist besser als heilen

Im alten China wurden Ärzte vor 3000 Jahren nur bezahlt, wenn ihre Patienten gesund blieben. Ein chinesisches Sprichwort aus dem Jahr 2000 vor Christus bringt es auf den Punkt:

Überragende Ärzte verhindern Krankheiten.

Mittelmäßige Ärzte heilen noch nicht ausgebrochene Krankheiten.
Unbedeutende Ärzte behandeln bestehende Krankheiten.

Bedenken Sie dabei: Sie selbst „behandeln“ Ihren Hund jeden Tag – durch das, was er frisst, wie er sich bewegt und wie viel Zuwendung er bekommt. Wer täglich auf die richtigen Dinge achtet, spart langfristig Tierarztkosten und kann das Geld stattdessen in gute, natürliche Nahrungsmittel investieren. Wir beraten Sie dabei gerne.

Die drei wichtigsten Dinge, die Sie täglich tun können:

1. Ernährung

2. Bewegung

3. Zuwendung


1. Ernährung

Gesunde, ausgewachsene Hunde kommen mit zwei Mahlzeiten am Tag bestens aus – morgens und abends, ohne Gewürze. Auf häufige Leckerchen zwischendurch sollten Sie möglichst verzichten, denn sie haben mehr Nachteile als viele vermuten. Lob, Spiel oder ein Spielzeug sind eine ebenso schöne – und viel gesündere – Belohnung.

Magensäure

Der Magen eines Hundes produziert Salzsäure (HCl) in deutlich höherer Konzentration als der des Menschen: Der pH-Wert liegt beim Hund bei 1–2, beim Menschen eher bei 1,5–3,5.

Diese starke Säure ist darauf ausgelegt, große Mahlzeiten auf einmal zu verarbeiten – so wie Wölfe in der Natur fressen. Sie macht es dem Hund sogar möglich, Knochen aufzuweichen und Keime in Aas abzutöten. Kleine Leckerchen zwischendurch können diese Säure nicht abpuffern. Im Gegenteil: Sie greift dann die Magen- und Darmschleimhaut an und schädigt die Darmflora nachhaltig – was sich oft alsscheinbare Futtermittelunverträglichkeit oder -allergie zeigt. 

Ein typisches Zeichen: Der Hund frisst morgens Gras oder würgt gelbe Flüssigkeit – beides Hinweise auf zu viel Magensäure auf nüchternen Magen.

Blutzucker

Jedes Leckerchen lässt den Blutzucker ansteigen, und die Bauchspeicheldrüse muss Insulin produzieren. Passiert das täglich mehrfach, kann das langfristig zur Insulinresistenz und zu Diabetes führen – besonders bei Leckerchen mit hohem Zucker- oder Kohlenhydratanteil. Fünf Leckerchen täglich bedeuten im Jahr 1825 unnötige Blutzuckerspitzen pro Jahr. Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker verändert auch die Fließeigenschaften des Blutes: Es wird zähflüssiger, die Organe werden schlechter durchblutet, und Knorpelgewebe wie Gelenkoberflächen und Bandscheiben werden mit der Zeit spröde.

Der Körper gleicht vieles davon lange aus – er ist eine beeindruckende Selbstheilungsmaschine.

Aber über Jahre zehrt das an Kraft und Gesundheit.

Natürliche Ernährung

Die Natur hat den Hund über Jahrtausende geformt – und das merkt man. Wölfe sind wie viele Wildtiere dämmerungsaktiv und fressen große Mengen auf einmal. In der Wachstumsphase – je nach Alter bis zu 3–4 Mal täglich – darf auch der Welpe entsprechend häufiger gefüttert werden. Mit etwa acht Monaten ist das Knochenwachstum abgeschlossen, mit rund 15 Monaten die gesamte Entwicklung.

Ein gelegentlicher „Fastentag“ pro Woche schadet einem gesunden Hund nicht – er mobilisiert sogar die Fettreserven. Hunde sind von Natur aus auch Aasfresser: Ihr Immunsystem und ihre Darmflora profitieren davon. Unterwegs darf Ihr Hund ruhig einmal Kot von Wiederkäuern oder Hasen fressen – das stärkt seine Abwehrkräfte. (Pferdekot von frisch entwurmten Pferden sollte jedoch gemieden werden.)

Futtermittel

Dreht man das Wort „Lebensmittel" um, wird klar: Es sind die Mittel zum Leben. Je stärker sie verarbeitet werden, desto mehr verlieren sie von ihrer ursprünglichen Qualität. Viele industrielle Futtermittel enthalten Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe, die die Darmflora belasten können.

Abwechslung, frische Zutaten und möglichst naturbelassene Kost sind das, was Ihrem Hund wirklich guttut. In der Natur wird nicht erhitzt oder konserviert. Es gibt kaum Tiere, die sich in der Natur einseitig mit immer gleicher Kost ernähren. In meiner Praxis habe ich viele Tiere erlebt, die über 12 Jahre ein und dasselbe Futter bekamen.

2. Bewegung

Hunde brauchen regelmäßige Bewegung – am besten mehrmals täglich. Manche Rassen, wie Jagdhunde oder Border Collies, haben einen besonders hohen Bewegungsbedarf. Wenn ein Hund zu wenig Auslauf bekommt, leidet er – sowohl körperlich als auch seelisch.

Wichtiger Hinweis zur Hitze

Bei hohen Außentemperaturen reguliert der Hund seine Körpertemperatur vor allem über die Atmung. Ab etwa 42 Grad Körpertemperatur können sich Eiweiße und Proteine im Körper strukturell verändern – mit potenziell lebensbedrohlichen Folgen. Bitte passen Sie Spaziergänge und Sport an die Außentemperatur an, und lassen Sie Ihren Hund niemals im abgestellten Auto – selbst bei scheinbar mildem Wetter heizt sich der Innenraum schnell auf 60–70 Grad auf. Auch ein überhitzter Hund sollte nicht im See schwimmen – der Temperaturschock kann gefährlich werden.

3. Zuwendung

Der Hund ist wie der Wolf ein Rudeltier – er braucht Gesellschaft, Aufgaben und klare Strukturen.

Längere Zeiten allein, etwa während der Arbeitszeit oder im Urlaub, belasten ihn. Wenn möglich, sorgen Sie für Gesellschaft – sei es durch andere Hunde, eine Hundebetreuung oder flexible Arbeitszeiten.

Ersetzen Sie Leckerchen durch Lob, Spiel und Zuwendung. Auch Handzeichen und Gestik funktionieren oft besser als gedacht – Ihr Hund ist aufmerksamer, als Sie vielleicht vermuten. Je früher Sie damit beginnen, desto besser: Idealerweise schon im Welpenalter.

Geben Sie Ihrem Hund klare, wenige Regeln – und heben Sie Kommandos auch wieder auf. Sonst lernt er schnell, sie nur kurz zu befolgen. Aufgaben und geistige Beschäftigung sind genauso wichtig wie körperliche Bewegung. Sozialer Kontakt zu anderen Hunden – am besten von klein auf stärkt sein Selbstbewusstsein und sein Sozialverhalten.

Copyright: Dr. Nanninga ©

 

Achtung: Markknochen Beinscheiben sind gefährlich:

Verkeilter Markknochen (mit freundlicher Genehmigung von Akimo Aufdermauer)